Wilhelm von Levetzau
Wilhelm von Levetzau
Levetzau, Wilhelm Friedrich Ludwig Theodor von
(* 8.4.1820 in
Flensburg, 22.5.1888 in Lübeck)
Amtmann, Landrat
Als letzter Amtmann der königlichen Ämter Reinbek,
Trittau und Tremsbüttel und als erster preußischer Landrat des
Kreises Stormarn verkörperte Levetzau die Kontinuität der Verwaltung
in dänischer und preußischer Zeit.
Levetzau wurde als Sohn des Amtmanns und späteren
Oberhofmarschalls von Levetzau in Flensburg geboren und erhielt zunächst
Unterricht bei Hauslehrern, bevor er 1836-1840 die Gelehrtenschule in Plön
besuchte. Anschließend studierte er Jura in Heidelberg, München,
Berlin und Kiel.
Nach seinem Examen arbeitete Levetzau 1846-1850 in Kopenhagen
als Kanzlist im Kabinett Christian VIII. und als Referendar in der Rentekammer.
Als Kabinetts-Kurier des dänischen Königs reiste er 1848 nach Berlin
und St. Petersburg und nahm im Juni 1850 als Mitglied einer
außerordentlichen Delegation an den Feierlichkeiten zur Hochzeit des
schwedischen Königs Carl XV. in Stockholm teil.
Seine Laufbahn setzte Levetzau dann in den Herzogtümern
fort und wirkte zuerst 1851 als königlicher Unterbeamter (Hardesvogt) im
Amt Flensburg und später als Amtmann der Ämter Neumünster
(1852-1857) und Steinburg (1857-1865).
Levetzau, dem 1856 der Titel eines Kammerherrn verliehen wurde,
heiratete 1857 Gräfin Mathilde v. Moltke.
Im Jan. 1866 wurde er Amtmann der drei stormarnschen Ämter
Trittau, Reinbek und Tremsbüttel mit Amtssitz im Schloss Reinbek.
Am 9.3.1868 erhielt Levetzau die Ernennung zum Landrat des neuen
preußischen Kreises Stormarn. Ein Umzug war zunächst nicht
notwendig, denn erst 1873 wurde das Landratsamt vom Schloss Reinbek in eine
Villa in der Schillerstraße in Wandsbek verlegt (Stormarnhaus).
Die Amtszeit von Levetzau als Landrat war in den ersten Jahren
bestimmt von den einschneidenden Veränderungen, die mit der Eingliederung
nach Preußen einhergingen. Für die Bevölkerung brachte der
staatliche Wechsel erhebliche Zumutungen, wie etwa die 1866 eingeführte
Allgemeine Wehrpflicht oder neue Steuern.
Als Vorsitzender der Militär-Ersatz-Kommission war Levetzau
mit den Musterungen ebenso befasst wie mit der Erhebung der Steuern als
Vorsitzender der Veranlagungskommission.
1867 und 1876 trat Levetzau als Kandidat der Konservativen zur
Wahl für das preußische Abgeordnetenhaus an, ohne jedoch
gewählt zu werden. Zum 1.7.1880 wurde der 60jährige Levetzau aus
gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt. Er zog nach
Lübeck, wo er 1888 starb.
GK Perrey. - Wrage (1979)