Wir über uns
Das Kreisarchiv Stormarn -
im Interesse der
Bürgerinnen und Bürger
Das Kreisarchiv befindet sich im Erdgeschoss der
Mommsenstraße 14 in Bad Oldesloe. Es ist zentrales Gedächtnis und
Forschungseinrichtung zur Geschichte Stormarns. Die allgemeine gesetzliche
Grundlage zur Einrichtung von
öffentlichen Archiven findet sich im schleswig-holsteinischen
Landesarchivgesetz (LArchG, §1):
"Öffentliche Archive dienen der
Forschung und Bildung, der Verwaltung und Rechtssicherung und ermöglichen
die Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Politik. Sie schützen
das öffentliche Archivgut gegen Vernichtung und Zersplitterung und sind
der Öffentlichkeit für die Nutzung zugänglich. Sie bilden das
öffentliche Gedächtnis eines Landes."
Das Kreisarchiv Stormarn versteht sich als
moderner, dem aktuellen kommunalen (insbesondere kulturellen) Geschehen
zugewandter Informationsdienstleister, entgegen dem Klischee von Archiven als
Orte, die das Sammlungsbedürfnis einiger Spezialisten befriedigen. Die
Bereitstellung von Informationen dient nicht nur der öffentlichen
Verwaltung, sondern insbesondere auch Forschern und Heimatkundlern.
Grundsätzlich ist jeder an der Geschichte, Kultur und Politik Stormarns
Interessierte willkommen.
Denn: Das Landesarchivgesetz
Schleswig-Holstein sichert jedem Bürger grundsätzlich das Recht, die
Unterlagen der öffentlichen Archive einzusehen. Hierdurch wird die Arbeit
der Behörden dauerhaft transparent gemacht.
Geschichte greifbar machen
Urkunde einer
Mühlenverpachtung
Im klassischen Sinne erfüllen
öffentliche Archive die Aufgabe der dauerhaften Bewahrung und Sicherung
von Unterlagen der Verwaltung (z.B. rechtlich relevante Urkunden) und anderen
wichtigen und historisch wertvollen Archivalien (z.B. die Stormaria Ducatus
Karte von 1652 aus der Kartensammlung), die für aktuelle Aufgaben nicht
mehr benötigt werden, in Zukunft jedoch wieder gebraucht werden
könnten. Daher sind grundsätzlich alle Archivalien dauerhaft, d.h.
ewig, aufzubewahren.
Stormaria Ducatus Karte von 1652
Einer der wichtigsten, ältesten und immer
noch aktuellen Gründe zur Schaffung und Unterhaltung eines Archivs ist
deshalb die Rechtssicherung. Das Archiv ist der geeignete Ort, um wichtige
Dokumente, die öffentlichen Glauben besitzen, d.h. vor Gericht besonders
starke Beweiskraft haben, wie z.B.
Einbürgerungsakten,
aufzubewahren.
Da schon aus Platzgründen nicht alle
Unterlagen aufbewahrt werden können, gehört zu den wichtigsten
Aufgaben der Archivare die Beurteilung der Akten und anderen Schriften
hinsichtlich ihrer Archivwürdigkeit, im Fachjargon Bewertung genannt. Die
Bewertung kann zur Übernahme ins Archiv oder zur Kassation führen.
Eine typische
Verwaltungsregistratur
Das heißt, dass die Unterlagen, die nicht
als aufbewahrungswürdig bewertet wurden in die kontrollierte Vernichtung
gehen. Auf diese Weise erfüllen die Archive eine für den Bürger
besonders wichtige Aufgabe, nämlich die Sicherung auf das Recht der
informationellen Selbstbestimmung. Da
sämtliche Unterlagen der Verwaltung, die nicht mehr für aktuelle
Verwaltungsaufgaben benötigt werden, dem jeweils zuständigen Archiv
angeboten werden müssen, stellt dieses durch seine Bewertung sicher, dass
die personenbezogenen Daten später
nachvollziehbar in der Verwaltung
gelöscht werden.
Die Sperrfristen für die Einsicht
personenbezogener Daten in den Archiven schützen vor unbefugtem Zugriff
auf die übernommenen Unterlagen. Es gilt, dass eine Akte mit
personenbezogenen Daten in Schleswig-Holstein frühestens 10 Jahre nach dem
Tod der betreffenden Person eingesehen werden kann. Ausnahmen sind nur in
Einzelfällen möglich, z.B. wenn die betroffene noch lebende Person
Einsicht verlangt, die zuständige Behörde die jeweilige Akte zur
Sachbearbeitung erneut benötigt oder ein begründetes
wissenschaftliches Interesse besteht.
Durch die Bewertungskompetenz des Archivs als
von der einzelnen Behörde getrennter Stelle, wird zudem die
Forschungsfreiheit für die
Wissenschaft garantiert. Die Arbeit einer fachlich kompetenten Archivarin
oder eines Archivars erleichtert der Forschung die Benutzung des Archivgutes
erheblich.
Nach der Übernahme ins Archiv werden die
Unterlagen erschlossen, also derart in den Bestand eingepflegt, dass sie bei
späterem Bedarf auffindbar und leicht zugänglich sind. In der Regel
geschieht dies heutzutage über Datenbanken, die einen einfacheren und
schnelleren Zugriff auf die Bestände des Archivs erlauben. Das Kreisarchiv
Stormarn ist sehr darum bemüht, seine Arbeitsergebnisse, also die
erschlossenen Archivbestände, der Öffentlichkeit zur Verfügung
zu stellen.
Die folgenden kurzen Erläuterungen sollen
Ihnen einen Einblick in die Aufgaben und die Arbeit des Kreisarchivs
vermitteln. Auf den weiteren Seiten erhalten Sie Informationen zur Benutzung
des Archivs, Hinweise auf andere relevante Archive im Kreis und zur Stormarner
Geschichte.
Die Struktur des Kreisarchivs - Synergieeffekte
durch Vernetzung
Das Kreisarchiv Stormarn ist innerhalb der
Kreisverwaltung mit der Kulturabteilung des Fachbereichs 2 Jugend, Schule und
Kultur personell eng verzahnt. Der Kreiskulturreferent ist auch der Leiter des
Kreisarchivs. Während für die eigentlichen archivfachlichen Arbeiten
der hauptamtliche Diplomarchivar Sorge trägt, vertritt der
Kreiskulturreferent das Kreisarchiv nach außen und kümmert sich um
Forschungs- und Veröffentlichungsarbeit. So ist der Kreiskulturreferent
gleichzeitig kultureller Geschäftsführer der
Kulturstiftung
Stormarn der Sparkasse Holstein, einem Hauptsponsor im Kreis für
Kunst, Kultur sowie Heimatkunde und Naturpflege. Die fachliche Betreuung durch
das Kreisarchiv und den Kulturreferenten schaffen besonders für die
kulturelle und bildende Öffentlichkeitsarbeit einmalige Synergieeffekte.
Zur Führung eines Archivs sind verschiedene
Fachkenntnisse erforderlich. Die Akten müssen nicht nur nach bestimmten
Kriterien bewertet und erschlossen werden. Da das Archivgut grundsätzlich
für die Ewigkeit aufbewahrt wird - ein Grundsatz der leider in der
Vergangenheit häufiger von diversen Feuern, Überschwemmungen,
Schimmelkulturen, Säuren,
missachtet wurde - versuchen die
Archivare mit den neuesten Methoden die Erhaltung der verschiedenen Materialien
zu gewährleisten. Die Umsetzung dieser umfangreichen und anspruchsvollen
Ziele wird beim Kreisarchiv Stormarn durch archivfachlich ausgebildetes
Personal sichergestellt.
Die Bewertung - die Guten ins Töpfchen,
die Schlechten ins Kröpfchen
Da alle Archive bemüht sind, nur die
Unterlagen aufzubewahren, die tatsächlich archivwürdig sind, ist ein
entscheidendes Kriterium bei der Bewertung der Unterlagen die
Zuständigkeit. Die Archive möchten doppelte Aufbewahrung vermeiden
und bewerten somit nur jene Unterlagen als archivwürdig (also im eigenen
Hause aufzubewahren), für die sie auf der Verwaltungsebene
tatsächlich zuständig sind. Das spart Arbeitszeit und Steuergelder.
Die Zuständigkeit des Kreisarchivs Stormarn
liegt, wie der Name schon nahe legt, im Kreis Stormarn; dieser definiert den
sogenannten Archivsprengel des Kreisarchivs. Somit
wären die Sitzungsprotokolle des Kreistages für das Kreisarchiv
archivwürdig, eine Dienstanweisung des Ministerpräsidenten
Schleswig-Holsteins, wenn auch wichtig und historisch durchaus von Wert, nicht.
Diese fällt in die Zuständigkeit des
Landesarchivs Schleswig-Holstein. Außerdem sind
Veröffentlichungen, wie z.B. allgemeine Informationsbroschüren der
Bundespolizei, da an anderer Stelle erhältlich, für ein Kreisarchiv
nicht archivwürdig.
Verpackung des Nachlasses von
Siegfried Moll
In den letzten Jahren erfolgte eine
kontinuierliche Bewertung und Übernahme von Unterlagen aus der
Kreisverwaltung. Dadurch konnte verstärkt auch nicht-amtliches Archivgut
von Privatpersonen und Vereinen übernommen werden, wie z.B. Nachlässe
oder Bildbestände. Zudem sammelt das Kreisarchiv vier Tageszeitungen und
eine Wochenzeitung, die in Stormarn erscheinen.
Die Erschließung - Wiederfinden statt
verstauben
Magazinbereich des Kreisarchivs
Die Erschließung des Archivgutes ist eine
der arbeitsintensivsten Aufgaben im Alltag des Kreisarchivs, da hier
insbesondere Präzision und auch Fachkenntnis notwendig sind.
Angelika Menne-Haritz fasst die
Tätigkeit der
Erschließung wie folgt zusammen:
"Sie besteht aus den beiden Tätigkeiten
der Verzeichnung und Ordnung von Archivgut als Einheit bei der Vorbereitung zur
Bereitstellung der Bestände. Dazu gehören die Analyse der
Entstehungszusammenhänge und der Strukturtypen, die Titelbildung für
die einzelnen Verzeichnungseinheiten, der Aufbau der Gliederung und die
Eingliederung der einzelnen Verzeichnungseinheiten in die Gesamtstruktur sowie
die Darstellung der Geschichte des Bestandes und seiner Entstehungsbehörde
in den Zusatzinformationen etwa für die Findbucheinleitung. Ergebnis der
Erschließung ist der auswertbare Bestand, repräsentiert im
Findbuch."
Dies geschieht im Kreisarchiv Stormarn
inzwischen vorwiegend in digitaler Form, so dass über das
Online-Portal Findbücher mit derzeit ca. 18.000
Verzeichniseinheiten zu finden sind. Etwa ein Drittel davon sind Abbildungen
(Fotos, Dias, Karten, Postkarten,
), die auch mit Scans verknüpft
wurden.
Im Bereich der Arbeitsbibliothek sind ca. 3.500
Einträge in der Datenbank aufgenommen worden, die aber nur im Benutzerraum
einsehbar sind. Bei der Bibliothek des Kreisarchivs handelt es sich um eine
Präsenzbibliothek, die Bücher können also nicht ausgeliehen
werden. Doch wenn man sich für die Geschichte und Kultur Stormarns
interessiert, lohnt sich der Weg zur Bibliothek des Kreisarchivs, da sie
sicherlich die geschlossenste und umfangreichste Bibliothek zu diesem Thema
ist.
Bestandserhaltung - Abstauben und einordnen
Akten beim Säubern und
Verpacken
Im Sinne der dauerhaften Aufbewahrung der
Archivalien ist ein Kernbestandteil der archivarischen Arbeit die
Bestandserhaltung. Diese ist effizient und mit wenig Aufwand umsetzbar, wenn
zuvor die Übernahme und Erschließung kompetent erfolgt ist.
Die Bestanderhaltung sichert die endgültige
Einlagerung in das Magazin des Archivs. Erst nachdem die Archivalieneinheiten
während der fachgerechten Erschließung entmetallisiert, also von
Aktenordnern, Büroklammern und Tackernadeln befreit und in säurefreie
Umschläge verpackt, signiert und in Kartons eingeordnet ins Magazin
gestellt wurden, kann man sicherstellen, dass auch die im Vergleich zu
beispielsweise echtem
Pergament relativ unbeständigen
Schreibmaterialien des 20. und 21. Jahrhunderts auch weiterhin lesbar sind und
bleiben.
Außerdem muss dafür Sorge getragen
werden, dass im Magazin des Archivs optimale Luft- und Temperaturbedingungen
vorherrschen (18ºC; 50% rel. Luftfeuchte).
Das Kreisarchiv Stormarn ist zudem bemüht,
die Plakate, Karten, Fotoplatten oder Filme zu digitalisieren bzw.
mikroverfilmen, so dass die empfindlichen und wertvollen Originale bei der
Benutzung durch Reprografien ersetzt und somit geschont werden können. Da
das Kreisarchiv nicht mit einer eigenen Werkstatt ausgerüstet ist, vergibt
es die meisten Restaurierungsaufträge an externe Firmen.
Der Bestand - "Staubige" Akten und
Hochglanzfotos
Der Bestand des Kreisarchivs ist in derzeit zehn
Bestandsgruppen untergliedert. Diese generelle Gliederung wird in Archiven als
Tektonik bezeichnet. Inhaltlich
sind die Bestandsgruppen hauptsächlich nach ihrer Entstehung und Herkunft
geordnet - das sogenannte
Provenienzprinzip. Dieses ordnet die
Unterlagen nach ihrem jeweiligen Entstehungszusammenhang, während das
Pertinenzprinzip, welches insbesondere
in älteren Archiven noch in größerem Umfang vorkommt, den
Sachzusammenhang unabhängig vom Entstehungszusammenhang vorschreibt.
Planschrank für Plakate und
Karten
So bilden beispielsweise die Unterlagen (v.a.
Protokolle) der Parteien, Gewerkschaften und Innungen eine Bestandsgruppe (in
diesem Fall G). Diese ist dann noch weiter untergliedert. Die betreffende
Bestandsgruppe G besteht derzeit aus vier Beständen (G1-4), die einer der
größeren Parteien zugeordnet sind. Die kleineren Parteien sind nicht
in dieser Bestandsgruppe enthalten, da sie bisher keine Akten produziert und
ans Archiv gegeben haben. Getrennt davon aufbewahrt werden Einzelstücke,
wie z.B. Wahlkampfplakate und Werbeartikel der Parteien. Sie werden in laufende
Sammlungen eingeordnet, z.B. in die Plakatsammlung (S 60) oder in die
Regionalgeschichtliche Sammlung (S 80), tauchen also nicht in der
Bestandsgruppe G auf.
Stormarnhaus in Wandsbek, ca.
1930
1867 wurde die preußische Kreisverwaltung
in Schleswig-Holstein eingeführt. Das Kreisarchiv ist für die
Überlieferung des Kreises seit diesem Zeitpunkt zuständig. Allerdings
sind fast alle Verwaltungsunterlagen 1943 durch Bombenangriffe in Wandsbek und
die folgende Auslagerung in das Kreisgebiet verloren gegangen. Auch die erst
späte Einrichtung und fachliche Betreuung des Kreisarchivs hat für
Lücken in der Überlieferung gesorgt.
Deshalb sollte für den Zeitraum von 1867
bis ca. 1950 für eine umfassendere Recherche auf das
Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig
zurückgegriffen werden, welches Bestände aus der sogenannten
Parallelüberlieferung besitzt. Zum Beispiel die Abteilungen 309
Regierungspräsident und 301 Oberpräsident enthalten Korrespondenz mit
der Kreisverwaltung. Im Kreisarchiv fand eine kontinuierliche
Überlieferungsbildung ab den 1980er Jahren statt.
Die Art der Archivalien im Kreisarchiv ist
vielfältig. Dabei wird zwischen amtlicher Überlieferung und
nicht-amtlicher Überlieferung unterschieden. Unter die amtliche
Überlieferung fallen alle Unterlagen, welche die Kreisverwaltung
produziert. Neben diesen Unterlagen befinden sich im Kreisarchiv aber auch
privates Schriftgut, Karten, Plakate, Drucksachen und Bildaufnahmen sowie
Zeitungsbestände (im Mikrofilm bis 1839 zurückreichend), die im
Wesentlichen die nicht-amtliche Überlieferung darstellen. In das Archiv
gelangen diese Stücke entweder als Teil einer speziellen Sammlung, die das
Kreisarchiv pflegt oder in Form eines Nachlasses. Dies gilt beispielsweise
für die bedeutenden Fotobestände aus dem Nachlass von Raimund
Marfels und dem "Vorlass" von Hans Mallek. Ein Großteil des
Diabestandes ist von Mitarbeitern des Kreisarchivs erstellt worden. Der
Gesamtbestand von Abbildungen (Fotos, Dias, Postkarten, Glasplatten
)
umfasst inzwischen über 100.000 Aufnahmen!
Zudem umfasst das Archiv ca. 600
laufende Meter Schriftgut und eine
Arbeitsbibliothek mit ungefähr 3.000 bis 4.000 Titeln. Wer an der
Geschichte, Kultur oder Politik Stormarns interessiert ist, tut folglich gut an
einem Besuch im Kreisarchiv. Doch auch zu den Bereichen der wirtschaftlichen
und Siedlungsentwicklung und vielen Themen mehr findet sich eine Vielzahl von
interessanten Dokumenten im Archiv. Ein Ausdruck für die Qualität
dieser Quellen sind die verschiedenen Publikationen, z.B. die Stormarner Hefte
und andere, die unter der Betreuung des Kreisarchivs entstanden sind und
weiterhin entstehen.
Der Gang ins Archiv
Ein Archiv ist keine öffentliche
Bibliothek oder ein Museum!
Archive unterscheiden sich von Museen vor allem
durch ihre Verwaltungsbestände und das Recht auf Zugang hierzu. Das
Kreisarchiv Stormarn stellt regelmäßig seine Arbeitsergebnisse und
besonders interessanten Stücke der Öffentlichkeit vor. Dies geschieht
durch Ausstellungen in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung und häufig
mit finanzieller Unterstützung der
Kulturstiftung
Stormarn der Sparkasse Holstein. Von den öffentlichen Bibliotheken
unterscheidet das Archiv vor allem die Art und Beschaffenheit der Bestände
und - für den Benutzer besonders auffallend - der Zugang zu diesen
Beständen.
Bücher, der Kern einer jeden Bibliothek,
bilden im Archiv, abgesehen von der Arbeitsbibliothek und etwaigen eine kleine
Minderheit im Bestand. Wichtiger jedoch für den Umgang mit Archivgut ist
die Tatsache, dass man in einem Archiv, im Gegensatz zur Bibliothek, keinen
Zugang zu den Regalen mit dem Archivgut hat (Magazin). Aufgrund der
Einzigartigkeit und zum dauerhaften Schutz der Archivalien gibt es bestimmte
Regeln in der Benutzung des Archivs und im Umgang mit den Archivalien.
Prinzipiell ist es also in Archiven nicht möglich, vorbeizukommen und
einfach mal im Regal herumzustöbern.
Ein Archivbesuch erfordert etwas mehr Planung.
Der erste Schritt sollte die Suche nach dem "richtigen"
Archiv sein. Dies kann über die Online-Findmittel oder im Archiv
selbst geschehen. Die Mitarbeiter sind natürlich gerne bereit zu helfen.
Vor der Recherche sollte gründlich überlegt werden, welches Archiv
zuständig ist. Erst danach kann eine sinnvolle und erfolgreiche Recherche
sowie Einsicht in die Archivalien stattfinden.
Readerprinter für
Mikrofilme
Um den Bestand zu bewahren, werden die
Archivalien, soweit keine Sperrfrist oder Sicherheitsbedenken bestehen, auf
Verlangen in den Benutzerraum des Archivs gebracht, Aushebung genannt. Dort
kann der Benutzer unter Berücksichtigung von Sicherheitsvorschriften die
Archivalien einsehen. Das bedeutet, dass während der Benutzung
gegebenenfalls Handschuhe getragen werden müssen und als Schreibmaterial
nur Bleistift oder Laptop erlaubt sind. Nach der Benutzung werden die
Archivalien in das Magazin reponiert, d.h. von einem Mitarbeiter des
Kreisarchivs in das Magazin zurückgeordnet. Für die Benutzung der
Mikrofilme steht ein Readerprinter bereit.
Das Kreisarchiv Stormarn wird zu einem Drittel
von der Kreisverwaltung selbst genutzt. Die Hälfte der Nutzer sind jedoch
die interessierten Bürgerinnen und Bürger, die zu ihrer Familien-
oder Heimatgeschichte Informationen einsehen möchten. Der Anteil der
wissenschaftlichen Nutzung des Kreisarchivs hat in den letzten Jahren jedoch
zugenommen. So entspringen inzwischen mehr als 10 % der Anfragen einem
wissenschaftlichen Interesse. Das größte Interesse insgesamt gilt
dabei der Arbeitsbibliothek, den Akten des Landkreises und dem gut
erschlossenen Zeitungsbestand. Viele interessierte Privatpersonen und auch die
Presse machen regen Gebrauch von den Bildbeständen, die sie über das
Kreisarchiv nutzen können.
Geschichte nach außen tragen -
Interessierte ins Haus holen
Die Öffentlichkeitsarbeit des Kreisarchivs
besteht im Wesentlichen aus drei Aspekten. Die direkte Vermittlung der
Tätigkeit des Kreisarchivs und der anderen Archive kommt in dieser
Homepage zum Ausdruck. Hier gehört das Kreisarchiv Stormarn mit einer
eigenen Website zu den Pionieren unter den kommunalen Archiven im norddeutschen
Raum. Insbesondere die Verweise zu den anderen Stormarner Archiven sind umfangreich und
aktuell.
Ausstellungen im Foyer des
Kreisarchivs
In den beiden anderen Aspekten wird die enge
Verbindung zur Kulturabteilung und zur
Kulturstiftung
Stormarn der Sparkasse Holstein deutlich. Zum einen gehören hierzu die
Veröffentlichungen (z.B.
Stormarner Hefte - aber auch eine Reihe Einzelpublikationen und Ortschroniken,
die indirekt mitbetreut wurden), zum anderen diverse Ausstellungen oder
Tagungen die vom Kreisarchiv veranstaltet bzw. mit Exponaten aus dem
Kreisarchiv bestückt oder anderweitig unterstützt werden.
Außerdem ist das Kreisarchiv
natürlich auch gerne bereit, die Arbeit von Archiven, beispielsweise an
Universitäten, die im Rahmen der Umstrukturierung der Studiengänge
auf das Bachelor- / Mastersystem ein verstärktes Interesse an
studienbegleitenden Praktika zeigen, vorzustellen.
Das Kreisarchiv bietet interessierten
Praktikantinnen und Praktikanten (der Universität Hamburg und anderer
Hochschulen) einen Einblick in die Arbeit eines Kommunalarchivs an. Durch ihre
Mithilfe konnten viele Sonderprojekte z.B. auf dieser Homepage oder bei
Ausstellungen realisiert werden.
Aus- und Fortbildung
Das Kreisarchiv bildet zusammen mit anderen
Stellen in der
Kreisverwaltung für den allgemeinen Verwaltungsdienst
aus. Dabei lernen die Auszubildenden im die Verwaltungsabläufe der
Abteilung wie der Kreisverwaltung insgesamt kennen. Die enge Verzahnung mit der
Kulturabteilung und der besondere Einblick in die Verwaltungsstruktur und
dessen Entwicklung, die man im Archiv erhält, machen es zu einer
interessanten Station innerhalb der Ausbildung.
Die Mitarbeiter bilden sich
regelmäßig im archivfachlichen sowie verwaltungs- und
arbeitstechnischen Bereich fort. In diesem Zusammenhang veranstaltet das
Kreisarchiv seit 1949 jährlich die Tagung der Stormarner Archivare zu
einem bestimmten Thema, um die Kooperation und fachliche Fortbildung mit den
anderen ehren- und hauptamtlichen Archivaren des Kreises voranzutreiben. Dabei
geht es um Arbeitsweisen im Archivbereich, um historische und kulturelle
Weiterbildung sowie um Erfahrungsaustausch. Die Protokolle der Tagungen seit
2000 finden Sie hier.
Hohe Qualität und günstiger Service
Die fachgerechte Archivierung kostet Arbeitszeit
und Geld. Daher ist auch das Kreisarchiv gehalten, wirtschaftlich zu agieren.
Insofern können die Ergebnisse, auch wenn man dies in Zeiten von google
und Wikipedia schon fast erwartet, nur zum Teil frei online und kostenlos zur
Verfügung gestellt werden. Das Kreisarchiv hat den gesetzlichen Auftrag,
den Zugang zu den Archivalien zu ermöglichen, kann also keinesfalls
gewinnorientiert arbeiten. Damit jedoch z.B. die Besitzrechte gewahrt bleiben
und der Mehraufwand ausgeglichen wird, erhebt das Kreisarchiv für
bestimmte Zusatzleistungen eine Gebühr. Eine Fotokopie
(falls konservatorisch vertretbar) kostet beispielsweise 0,50 . Die
Veröffentlichung von Abbildungen zu gewerblichen Zwecken muss mit dem
Kreisarchiv verhandelt werden.
In Anbetracht der Menge an unerschlossenem
Archivgut muss man jedoch feststellen, dass das Kreisarchiv Stormarn nicht
personell überbesetzt oder überfinanziert ist. Daher liegt auch ein
besonderes Interesse des Kreisarchivs darin, interessierte Praktikantinnen und
Praktikanten (der Universität Hamburg und anderer Hochschulen) in die
Archivarbeiten des Kreisarchivs einzuführen und einzubeziehen. Nicht
zuletzt durch ihre Mithilfe konnte das Kreisarchiv im Bereich der
Erschließung und der Öffentlichkeitsarbeit (z.B. in Form dieser
Homepage) neue Akzente setzen.
Geschichte des Kreisarchivs
Archivpfleger Martin Wulf
Der Anfang der Geschichte des Kreisarchivs ist,
wie es Geschichten so häufig an sich haben, nur schwer zu fassen und
konkrete Daten kaum zu nennen. Die Stormarner Archivare trafen sich 1949
erstmals auf Einladung des damaligen
Landrats Wilhelm Siegel, wobei
die Wurzeln der Archivtätigkeit bis in die Weimarer Republik
zurückreichen. Verantwortlich für die Unterlagen des Kreisarchivs
Stormarn war bis 1981 der "Archivpfleger" Martin Wulf.
Danach ging das Kreisarchiv in die
Zuständigkeit des Kreiskulturreferenten über, in der es auch heute
noch liegt. So ist auch die enge Zusammenarbeit und personelle Verknüpfung
zwischen dem Kreisarchiv und der Kulturabteilung des Kreises entstanden. Anfang
der 1990er Jahre wurde dann, zur archivfachlichen Betreuung, eine erste
hauptamtliche Stelle geschaffen. Diese war für ca. zehn Jahre von
Lehrerinnen und Historikerinnen besetzt, bis 2002 erstmals ein ausgebildeter
Diplomarchivar die Stelle übernahm.
1997 bezog das Kreisarchiv im Neubau in der
Mommsenstr. 14 erstmals Räume, die speziell für seine
Bedürfnisse eingerichtet wurden. So wurde für die Unterlagen ein
Magazin mit Passivklima gebaut und für die Forscher verbesserte sich der
Service enorm durch einen Benutzerraum mit Freihandbibliothek. Außerdem
konnte ein Readerprinter für die Benutzung der Mikrofilme zur
Verfügung gestellt werden.
Kooperationspartner
Um guten Service und hohe Qualität auch
weiterhin gewährleisten zu können, ist das Kreisarchiv bemüht,
vertrauenswerte Partner für Spezialaufgaben zu finden, für die das
Archiv selbst nur bedingt Ressourcen und Fachkenntnisse vorweisen kann. Einige
sollen hier genannt werden:
| Elbe-Werkstätten
(Hamburg) |
 |
| Fotostudio Ketelhohn (Bad
Oldesloe) |
 |
| Uwe Holtz Buchbinderei (Lübeck)
|
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