Stichwort Pergament
Vgl. Brandt, Ahasver von: Werkzeug des
Historikers. Eine Einführung in die Historischen Hilfswissenschaften, 17.,
aktual. Auflg., Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH 2007, S. 68-69:
"Vom Standpunkt der zügigen
Beschreibbarkeit, der Reißfestigkeit, Radierfestigkeit und
Dauerhaftigkeit ist das Pergament zweifellos der ideale Beschreibstoff; der
einzige Nachteil ist die relative Kostspieligkeit. Pergament besteht aus
Tierhäuten, vorwiegend von Schaf (Lamm), Ziege, Kalb, in geringerem
Maße verwendete man auch Eselshaut; die Häute werden nicht wie das
Leder gegerbt, sondern in Kalkwasser gebeizt, dann enthaart und glatt geschabt,
gespannt, mit Bimsstein geglättet und schließlich auf der einen oder
auf beiden Seiten mit Kreideschlamm behandelt, der nach Trocknen und Klopfen
eine glatte, griffige, oft leicht samtartige und fast weiße
Schreibfläche erzeugt.
Die meist nur einseitig zum Schreiben
bearbeiteten italienischen' Pergamente waren dünner, feiner und
teurer. Beschrieben wurde das Pergament ursprünglich ebenfalls mit dem
Rohr; seit der Merowingerzeit setzte sich mehr und mehr die Vogelfeder
(Gänse-, auch Rabenfeder) durch, die haltbarer war und feiner
zugeschnitten werden konnte als das Rohr.
Das Pergament kommt seit dem 4.
Jahrhundert, zunächst vornehmlich für christlich-literarische Zwecke,
vor. Gleichzeitig und im gleichen literarischen Zusammenhang erfolgt die
Wandlung von der (Papyrus-)Buchrolle zum (Pergament-)Codex in der noch heute
gewohnten, aus Lagen oder Einzelblättern zusammengebundenen Form. Erst
nach dem Ende der Spätantike, im 7. Jahrhundert, erscheint das Pergament
auch in der Verwendung für Geschäftszwecke (Urkunden; älteste
erhaltene merowingische Pergamenturkunde vom Jahre 677). Möglicherweise
sprach gegen die Einführung des Pergaments für urkundliche Zwecke die
gute Radierbarkeit, die Fälschungen erleichtern mußte.
Auch das Pergament, der vorherrschende Beschreibstoff des ganzen Mittelalters,
kommt in Rollenform vor, freilich nicht für Buch-, sondern vorwiegend
für Geschäftszwecke (Rechnungen; Gerichtsprotokolle u.ä.;
Zunftrollen; auch sonst im Sprachgebrauch nachweisbar, z.B. Rolle' des
Schauspielers). Diese Rollen entstanden nicht, wie diejenigen aus Papyrus,
durch horizontales Aneinanderfügen einzelner Blätter, vielmehr wurden
die Blätter an der Schmalseite untereinander (durch Annähen)
befestigt. Dementsprechend war die Rolle nicht von links nach rechts, sondern
von oben nach unten beim Lesen zu entrollen.
In Ausnahmefällen sind Rollen bis zu 30 und 40 m Länge erhalten, auf
denen der Text sich also in einer einzigen endlosen Kolumne bis zu vielen
tausend Zeilen darstellt. Rollen dieser Art werden noch im 20. Jahrhundert in
der englischen Verwaltung verwendet (Patent Rolls, jahrweise angelegt).
Überwiegend ist das Pergament aber seit je entweder in Codexform oder als
Einzelblatt verwendet worden.
Pergament erlaubt eine nahezu
unbegrenzte Richtungs- und Bewegungsfreiheit der Feder; mehr als früher
war hier also der Schreiber vom materiell-technischen Zwang des
Beschreibstoffes befreit, mehr als früher konnte er daher auf dem
Pergament sich ganz dem individuell und zeittypisch zugleich bedingten
Gestaltungstrieb hingeben."
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